Sunday thoughts: Du mit dir allein

Sonntag, 6. Dezember 2015 | | 1 Kommentare


Donnerstag, 22:17. Ich befinde mich auf dem Heimweg nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag. Zusammen mit den Menschenmassen, die ich auf der Veranstaltung bedient habe, ströme ich durch den Park in Richtung U-Bahnstation. Heute ist etwas komisch. Nicht der tröpfelnde Regen, an den gewöhnt man sich hier in München schnell. Auch nicht der alte Mann, der am Wegesrand auf seiner Klarinette eine Melodie spielt, die dem ganzen Abend noch mehr Tristesse verleiht. Nach einigen Metern in meinen ausgelatschten Sportschuhen fällt es mir auf: Es ist still. Zumindest für eine Menschenmasse ungewöhnlich still. Bis auf ein paar belanglose Wortfetzen, die ich im vorbeigehen aufschnappe, reden nur sehr wenige Menschen. Und da ist das Phänomen wieder: Die Einsamkeit in der Gemeinsamkeit. Der Punkt, den jetzt die meisten ansprechen würden, wäre der negative Aspekt um dieses ganze für sich selbst sein. Ich glaube das rührt daher, dass ich momentan wirklich keine einzige Person nennen kann, die mit sich selbst wirklich im reinen ist. Natürlich hat jeder seine Laster zu tragen und das ist auch normal so. Ich finde es schade, dass es in der heutigen Gesellschaft kaum noch Raum für die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit gibt. Menschen fällt es generell schwer alleine zu sein. Allein mit sich selbst, womit ich nicht nur das Wegbleiben von anderen Personen meine, sondern auch das Weglegen vom Handy und Abschalten von jeglicher Ablenkung. Leute, egal in welcher Altersgruppe, behaupten sie hätten Probleme damit von Stille umgeben zu sein und keine andere Möglichkeit zu haben als sich mit seinen Gedanken auseinanderzusetzen. Ein Abwehrmechanismus gegenüber belastenden Situationen? Möglicherweise, ja ganz bestimmt sogar. Jedoch ist das nicht der einzige Aspekt: Heutzutage kennt man sich selbst nicht mehr. Und die eigentliche Freiheit das Leben aus den verschiedensten Blickwinkeln zu betrachten, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen und wirklich zu begreifen, dass 'keine Grenzen' nicht nur so dahergesagt ist, sondern zu verstehen, dass gerade aufgrund dieser Tatsache alles in- und außerhalb unserer Vorstellungskraft liegt. Das ganze mag verwirrend klingen aber zu erkennen, dass es ein Geschenk ist - das uns übrigens mit dem Tag als wir in dieses Leben getreten sind, gemacht wurde- an alles, was wir jemals sahen, fühlten oder uns vorstellten nochmals denken zu können und das für uns ganz allein, ist das Beste, das mir an diesem Abend passiert ist.
Als ich mich in die U-bahn setzte, zwischen die ungesprächigen Leute, die alle auf ihr Handy starrten, wirkte dieser Donnerstag nicht mehr ganz so trist.


 
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